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Zwischen Aussichtslosigkeit und Hingabe
Nur Mut: Wer nichts wagt, der nichts gewinnt
Thema 05/2026
mamaivamso jive-loke jiva-bhutah sanatanaha manaha-shashthanindriyani prakriti-shtani karsati
"Die Lebewesen in der bedingten Welt sind Meine fragmentarischen Teile. Aufgrund ihres bedingten Lebens kämpfen sie sehr schwer mit den sechs Sinnen, zu denen auch der Geist gehört." (Bhagavad-gita 15.7)
Der obige Text aus der Bhagavad-gita passt auch zu unserem heutigen Thema, weil wir tatsächlich stets geistig aufgewühlt unsere Tage erleben!!!
Die jungen Menschen von heute (ca. Jahrgang 1995 bis 2007) sind nicht zu beneiden. Sie leben in einer chaotischen Zeit, in der es schwer ist, ein bestimmtes Ziel ernsthaft zu verfolgen. Täglich sind sie mit unheilvollen Ereignissen und Prognosen konfrontiert:
- Was soll aus Europa werden?
- Werde ich zum Kriegsdienst eingezogen?
- Wie soll ich eine Familie ernähren, wie es einst die Ahnen taten und wie es meine Eltern von mir erwarten?
- Wie soll ich es verantworten, angesichts der schlechten Wirtschaftslage eine Familie zu gründen?
Das sind nur einmal vier Sorgen, die viele viele junge Menschen gedanklich hin- und herwälzen. Da gibt es noch unzählige weitere Problemfelder, die die moderne Zeit aufwirft, und doch gibt es tatsächlich noch Glückspilze, die im angehenden Berufsleben durchstarten und den Existenzkampf aushalten, eben neben vielen anderen, die mehr oder weniger die Flinte ins Korn werfen. Daneben versuchen immer mehr junge Menschen, aus dem alltäglichen Kampf auszusteigen, ob als Mönch, Einsiedler, Lebenskünstler usw.
Was sagen die Hare-Krishna-Geweihten zu diesem Thema?
Gerade in der Anfangsphase der Hare-Krishna-Bewegung im Westen, ungefähr von 1965 bis 1985 ermutigten die Hare-Krishna-Pioniere allgemein jeden jungen Menschen, mit dem sie in Kontakt kamen, es mit einer spirituellen Laufbahn zu versuchen. Und das war nicht unbedingt für jeden ein Zuckerschlecken, weil der Erfolg im spirituellen Leben ebenfalls vom Grad des Einsatzes jedes einzelnen abhängt. Obwohl die Hare-Krishna-Familie für jeden Besucher oder aktiven Spiritualisten Geborgenheit in einer liebevollen Gemeinschaft bietet, gibt es eben doch auch menschliche Schwächen je nach Individuum, so dass das Hare-Krishna-Leben eben zum Teil dem Berufsleben in der materialistischen Gesellschaft ähnelt. Es scheint also für niemanden den Freifahrtschein ins Schlaraffenland zu geben. Ohne Fleiß gibt es nun mal keinen Preis, wie man so schön sagt! Aussteiger, die es sich gemütlich machen wollen, erkennen das früher oder auch später und geben die spirituelle Laufbahn eventuell wieder auf, ohne jedoch verächtlich gemacht zu werden; Denn schon die kleinste Bemühung im spirituellen Leben wird vom Höchsten Herrn, Shri Krishna, honoriert. Wer es also einfach mal probiert, erhält sozusagen eine spirituelle Gutschrift auf der Leiter zurück zu Gott! Das ist der fundamentale Unterschied zu den Aussichten reiner Materialisten, die, wenn sie scheitern, spätestens beim Ableben, alles verlieren; Bankguthaben, Haus und Hof sowie Verwandte und Freunde. Darum dürfen wir junge Menschen dazu ermutigen, Anschluss zu einer Hare-Krishna-Gemeinde zu suchen, um dort zu erfahren, wie sie sich einbringen können. Es gibt hierfür keine Patentrezepte, denn jeder von uns ist ein individueller Fall. Die erfahrenen Geweihten beraten uns dementsprechend.
Auf der Meta-Ebene hinsichtlich unseres Themas geht es um die Frage, ob wir uns Shri Krishna Selbst oder aber eben den materiellen Zwängen hingeben wollen. Shri Krishna gibt uns in Seiner Bhagavad-gita eine Brücke, um uns in unserer materiellen Situation mit Ihm verbinden zu können:
abhyase 'py asamartho 'si
mat-karma-paramo bhava
mad-arthamapi karmani
kurvan siddhim avapsyasi
"Wenn Du die Prinzipien des bhakti-yoga nicht praktizieren kannst, dann versuche einfach, für Mich zu arbeiten, denn indem du für Mich arbeitest, kannst Du die Stufe der Vollkommenheit erreichen." (Bhagavad-gita 12.10)
In den nachfolgenden Erläuterungen von HDG AC Bhaktivedanta Swami Prabhupada werden alle relevanten Fragen im Zusammenhang des von uns aufgeworfenen Themas in unvergleichlicher Klarheit beantwortet. Ja, es ist sensationell, wie aktuell, eindringlich und allgemeinverständlich die Literatur des reinen Geweihten Shrila Prabhupada immer noch ist (bitte befassen Sie sich damit!!!):
Selbst jemand, der nicht imstande ist, die Vorgänge des bhakti-yoga unter der Anleitung eines spirituellen Meisters auszuüben, kann auf die Stufe der Vollkommenheit erhoben werden, wenn er für den Höchsten Herrn arbeitet. Wie diese Arbeit zu verrichten ist, wurde bereits im fünfundfünfzigsten Text des elften Kapitels der Bhagavad-gita erklärt. Man sollte mit der Verbreitung des Krishna-Bewusstseins sympathisieren. Es gibt viele Geweihte Shri Krishnas, die mit der Verbreitung des Krishna-Bewusstseins beschäftigt sind, und sie benötigen Unterstützung. Selbst wenn man also nicht direkt die Prinzipien des bhakti-yoga ausüben kann, kann man versuchen, die Hare-Krishna-Geweihten in ihrer Mission zu unterstützen. Jede Bemühung erfordert Land, Kapital, Organisation und Arbeit. Genauso wie man im Geschäftsleben eine Niederlassung , Kapital, Arbeit und eine Organisation braucht, um sich zu erweitern, so sind auch in Krishna's Dienst solche Dinge erforderlich. Der einzige Unterschied besteht darin, dass man im Materialismus für die Befriedigung der Sinne arbeitet. Die gleiche Arbeit kann jedoch für die Zufriedenstellung Krishna's verrichtet werden, und dann sind es spirituelle Tätigkeiten. Wenn man genügend Geld besitzt, kann man den Bau eines Zentrums oder Tempels zur Verbreitung des Krishna-Bewusstseins unterstützen. Oder man kann die Publikation krishna-bewusster Literatur fördern. Es gibt viele solche Tätigkeitsbereiche im Krishna-Bewusstsein, und man sollte sich für solche Tätigkeiten interessieren und sie unterstützen. Wenn man nicht die Früchte seiner Arbeit opfern kann, kann man zumindest einen gewissen Teil spenden, um Krishna-Bewusstsein zu verbreiten. Dieser freiwillige Dienst für die Mission des Krishna-Bewusstseins wird einem helfen, seine Liebe zu Gott zu entwickeln, wodurch man die Vollkommenheit erreicht."
Hier folgende Schlussfolgerungen, die Krishna-Culture herausstellen möchte:
1. Shrila Prabhupada legt stärkstes Gewicht auf die Verbreitung des Krishna-Bewusstseins, nicht aber auf den Bau kostspieliger Gebäude für die Bequemlichkeit der Missionare. Darum sollte man sich bevorzugt mit Missionaren anfreunden und diese angemessen bei ihrer Missionstätigkeit unterstützen.
2. Gemeint sind in diesem Text der Bhagavad-gita diejenigen, die sich nicht imstande fühlen, einer spirituellen Disziplin strikt zu folgen, die also für ein Ordensleben ungeeignet sind. Ein echter spiritueller Meister kann diese Schwäche feststellen und berät uns dementsprechend. Es sollen nicht schwache Menschen in eine Ordensstruktur gedrängt werden, die dann nur eine Störung des Ordenslebens verursachen, weil sie aufgrund ihrer spirituellen Überforderung unzufrieden, traurig bzw. uneffektiv ihr Leben als überflüssig ansehen und ggf. lebensmüde werden. Hier werden insbesondere fromme Menschen zu tätiger Mithilfe angespornt. Auf diese Weise fühlen sie sich nützlich und damit glücklich. Das Zusammenwirken disziplinierter Ordensangehöriger mit fleißigen und spendablen Unterstützern ist also das natürliche Ideal. Auf diese Weise entsteht eine Gemeinschaft krishna-bewusster und zufriedener Menschen verschiedenster Qualitäten.
3. Der Aufstieg eines Spiritualisten geschieht unter der Aufsicht Shri Krishnas allmählich und entzieht sich der Beurteilung nach weltlichen materialistischen Gesichtspunkten. Auf diese Weise entsteht auch die nötige individuelle und vor allem unantastbare Intimzone für die freie spirituelle Entfaltung. Solche Schlussfolgerungen gefallen nicht denjenigen, die den spirituellen Fortschritt bürokratisch und sterotyp ordnen möchten. Spirituelle Autoritäten sollten besonders darauf achten, die individuellen Qualitäten ihrer Schützlinge zu fördern, sie ermutigen, ein effektiv erfolgreiches spirituelles Leben zu führen!!!
Ihr Anti-Schwurbel-Diener
Parivadi dasa
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